Campus Natur · Gundermannschule · Kräuterakademie

 Erlebnisse mit unseren Schleiereulen

Witterungsbedingter Hunger - Hilfe mit dem Mäuseaufzug

Mit Schleiereulen unter einem Dach - von  www.greifvogelhilfe.de

 

Schleiereulen sind nachtaktive einheimische Eulen, die nur selten tagsüber zu beobachten sind. Sie leben sehr heimlich und bleiben daher manchmal einfach von uns Menschen unentdeckt. Sie ist ein Kulturfolger und brütet mit Vorliebe an ländlich gelegenen Gebäuden, gerne Bauernhöfe mit aktiver Großtierhaltung, denn dort gibt es ganzjährig gutes Nagervorkommen.

 

Das besonders praktische ist, dass man die Anwesenheit der Schleiereulen mit speziellen Nistkästen unterstützen kann. Man kann ihnen ein schönes Zuhause bieten in dem sie auch Junge aufziehen können.

 

Schleiereule_Tyto_alba_Barn_owl_Kind

 

Das hat sich der Hof Nettetal (Ein Standort des Campus Natur) auch vor Jahren gedacht und entschied sich zur Installation eines speziell konzipierten Schleiereulen-Nistkastens im eigenen Hofe.

 

Dieses neue Heim wurde auch bald von der Eule entdeckt und angenommen. Schleiereulen sind sehr nützliche nächtliche Mäusejäger, denn sie vertilgen sehr viele Mäuse. Anstatt der Anwendung von Mäusegiften, ist es sinnvoll mit der Natur zusammen zu arbeiten. Schleiereulen fressen täglich zwei bis drei ausgewachsene Mäuse. Da kommt schon eine Menge zusammen, wenn man dies auf ein Jahr hochrechnet. Wie jedes Jahr brütet das Schleiereulenpaar nun im Hof Nettetal. Doch wie wir alle leidig erleben mussten war der Monat Mai und Juni dieses Jahres sehr verregnet. Andauernder Regen vergrämte viele Mäuse, denn die mögen es gerne trocken. Die Eulen konnten aufgrund der schlechten Wetterlage die benötigten Nager nicht in ausreichender Menge herbei schaffen. Zudem Eulen bei starkem Regen gar nicht jagen können, da sie sonst selbst komplett nass werden würden. Doch eine Schleiereulenfamilie benötigt in den Sommermonaten zur Aufzuchtszeit ihrer Jungen extrem viele Nager.

 

Schleiereule_Jungtier_Tyto_alba_Barn_owl

 

Wachsende Eulenkinder haben ständig Hunger und so müsste Familie Schleiereule schnell mal in einer Nacht 10 bis 20 Mäuse fangen, um alle Schnäbel „zu stopfen“. Schaffen sie es nicht, verhungern schließlich nach und nach die Jungtiere. Meist macht sich das bemerkbar, dass die ausgehungerten Tiere laut betteln und später flugunfähig sogar aus dem Nistkasten stürzen können. In solch einer Situation ist ein Zurücksetzen ohne eine Zufütterung der Tiere sinnlos.

 

Genau wie im beschriebenen Fall passierte es, ein Schleiereulennestling fiel aus mehreren Metern aus dem Nistkasten heraus. Sie verletzte sich dabei zum Glück nicht, aber sie war empfindlich unterkühlt, denn das dünne Dunenkleid wärmt nicht ausreichend den kleinen Körper. Nun brauchte man professionelle Hilfe, damit das Kleine nicht stirbt. Wir waren über die Notrufnummer sofort erreichbar und konnten das Jungtier umgehend aufnehmen. Mit einem Körpergewicht von 200 g wurde nun das kleine Nesthäkchen liebevoll umsorgt. Nachdem die Körpertemperatur wieder auf eine normale gebracht wurde, gab es klein geschnittene Mäuse. Nach 1,5 Wochen war das Eulchen augenscheinlich fast doppelt so groß geworden und wehrte sich auch schon gegen Menschen. Nun kam die Zeit, dass das Eulenkind nach dem Kurzaufenthalt bei uns wieder zurück kam.

 

Mittlerweile hatten die Eulenretter vom Hof schon alles Wissenswerte über das Leben der Schleiereule vermittelt bekommen. Der menschliche Geruch spielt keine Rolle beim Anfassen von Vögeln. Es ist ein Gerücht von früher, dass dies ein Grund wäre ein Jungtier nicht mehr zurück setzen zu können. Diese Faustregel gilt aber für aufgefundene junge Säugtiere, da Säuger sehr gut riechen können. Wir ziehen in unserer Station normalerweise keine Schleiereulen komplett mit der Hand auf, denn es ist gar nicht nötig bzw. sinnvoll.

 

 

 

Das Stabilisieren von Jungtieren ist ab und an notwendig, aber die wichtigste Zeit ist später nach dem Ausfliegen die Führungszeit der Eltern im heimischen Revier. Die Jungtiere müssen lernen an welchen Stellen man Mäuse finden kann, das kann kein Mensch dem Tier beibringen.  Eine große Erleichterung bei der Arbeit mit den Tieren ist, dass es sehr häufig vorhandene Nistkästen am Fundort gibt und das zurück bringen zur Eulenfamilie ganz einfach durchzuführen ist. Die Euleneltern nehmens gelassen, ob ein Kind mehr oder weniger da ist, sie füttern alle durch.

 

 

Man nahm sich allerdings die Aussage von uns zu Herzen, denn zu wenig vorhandene Nagetiere sollten ernsthaft ein Grund sein,  dass die Schleiereulenbrut sterben sollte? Fortan wurde die Eulenfamilie mit der Zufütterung toter Mäuse unterstützt. Um die Störungen am Nistkasten auf das Minimalste zu reduzieren, hat man kurzerhand einen kleinen „Holz-Aufzug“ installiert, auf dem nun das Abendbrot vor den Eingang an Seilen hoch gezogen wurde.

 

Ab jetzt ging es aufwärts und alle klappte routiniert, die Euleneltern nahmen das zusätzlich gereichte Futter sofort an. Nun war die Eule (n) gerettet. Was der Hof Nettetal nicht wusste, wir kamen kurz nach diesem Fall wieder in eine ähnliche Situation, eine halb verhungerte Schleiereule wurde aus einem anderen Bauernhof eingeliefert. Das Zurück bringen war aber dort nicht möglich, weil der Nistkasten so unerreichbar hoch angebracht wurde, dass nun ein Plan B her musste.

 

Das Anfassen stellt kein Problem beim Zurück

 

 Das Anfassen der Eulenvögel mit den Händen ist kein Grund es nicht wieder in den Nistkasten setzen zu können

 

Was viele Menschen nicht wissen, man kann auch Eulenjungtiere einer Art zum Adoptionsverfahren in eine fremde Familie bringen. Da der Geruchsinn wie schon bereits erklärt keine Rolle spielt und die Euleneltern ihre Kinder nicht zählen, kann man dies auch sinnvoll nutzen. Das Eulenkind kam auch hier nach einer Stabilistation bei uns in den gleichen Kasten.

 

Um Futtermangel musste sich ja keiner mehr Sorgen machen. Man war nicht zimperlich und hatte sich schon daran gewöhnt frischtote Mäuse täglich anfassen zu müssen und diese in den Eingangsbereich des Kastens zu legen. „So schlimm ist das auch nicht, man hilft ja schließlich den Eulen“, sagten die Hofbesitzer. Ganz unsere Meinung. Nach wenigen Wochen waren die Jungeulen so groß und kräftig geworden und verließen nun ihre Kinderstube. Es war geschafft und als Lohn konnte man am späten Abend umher fliegende Eulen beobachten.

 

Schleiereule_Flug_Barn_owl_flying

 

Wer Schleiereulen aktiv mit Nistkästen unterstützen möchte, sollte sich von uns zunächst beraten lassen. Auch der angebrachte Kasten am Bauernhof wurde mit einem großen „Sprungbrett“ nachgerüstet. Das gibt flugunfähigen Jungtieren mehr Sicherheit vor dem verfrühten Abstürzen. Die Bewohner des Bauernhofes waren nun durch die Aufzuchtszeit der Jungeulen mittlerweile zu richtigen Schleiereulenspezialisten geworden und haben viel mit den Tieren gelernt.

 

Weitere Informationen finden Sie hier: Schleiereulen richtig helfen.